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350ppm – Diese Zahl sollten wir kennen

Prof. James E. Hansen ist einer der anerkanntesten Klimatologen der Welt und war bis 2013 Leiter des NASA Goddard Institute for Space Studies. Heute lehrt er an der Columbia Universität in New York City. Wenn er sagt, dass der Klimawandel mit der menschlichen Zivilisation inkompatibel ist, dann, so glauben wir, sollte die Menschheit zuhören.

“PPM” steht für “parts per million” also “Teilchen pro Million” und beschreibt das Verhältnis von z.B. CO2-Molekülen zu den übrigen Molekülen in der Erdatmosphäre. Ein CO2 Gehalt von 350 ppm bedeutet also, daß von 1 Million Molekülen 350 CO2-Moleküle sind.

Viele Wissenschaftler, Klimaexperten und progressive nationale Regierungen stimmen Prof. Hansen zu, dass 350 ppm die maximal noch ‘sichere’ CO2 Obergrenze für das Leben auf der Erde ist.

Vom Anbeginn der Menschheit bis zum Beginn der industriellen Revolution vor etwa 200 Jahren betrug die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre nie mehr als 275 ppm. Das prägte den Planeten Erde, “auf dem sich unsere Zivilisation entwickelte und an den das Leben auf der Erde angepasst ist”.

Anfang des 18. Jahrhunderts haben wir Menschen aber damit begonnen Kohle, Erdgas, und Erdöl zu verbrennen um Energie zu erzeugen, Waren zu produzieren und Lebensmittel anzubauen. Seitdem steigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre kontinuierlich an – erst langsam, nun immer schneller.
Viele unserer alltäglichen Tätigkeiten, wie z.B. ein Licht anzuschalten, zu kochen, zu heizen und auch die Art wie wir uns fortbewegen, sind heute von Energiequellen wie Kohle und Erdöl abhängig. Bei deren Nutzung werden CO2 und andere Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt. Dabei verbrennen wir Kohlenstoff, der seit Millionen von Jahren unter der Erde gespeichert wurde und stoßen ihn innerhalb weniger Jahrzehnte in die Erdatmosphäre aus.

Kohlenstoffkreislauf

Im Jahr 2013 haben wir, erstmal in der Geschichte der Menschheit die 400 ppm Marke überschritten und jedes Jahr kommen rund 2 ppm hinzu. Tendenz steigend. Wenn wir es nicht schaffen, das in den nächsten Jahren zu ändern und noch in diesem Jahrhundert auf unter 350 ppm zurückzukehren, riskieren wir Kipppunkte zu erreichen, deren Folgen unumkehrbar wären. Das könnte den weiteren Klimawandel schon in den nächsten Jahrzehnten jeder menschlichen Kontrolle entziehen.

Eisbohrkerne
Der Briksdalsbreen Gletscher in Norwegen 2003 und 2008

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben wir eine Erwärmung der Erd-Durchschnittstemperatur um etwa 1° Celsius erlebt und die Auswirkungen sind schon jetzt erschreckend. Bis Ende dieses Jahrhunderts könnten es 4-6°C mehr werden.

Überall schmelzen Gletscher mit beängstigender Geschwindigkeit; Gletscher, deren Schmelzwasser hunderten von Millionen Menschen Trinkwasser bietet. Moskitos, die ein wärmeres Klima bevorzugen, breiten sich immer weiter aus und bringen Krankheiten wie Malaria und das Dengue-Fieber mit sich. Auch Dürren werden immer häufiger, wodurch an vielen Orten der Anbau von Nahrungsmitteln stark erschwert wird. Der Meeresspiegel steigt und Wissenschaftler warnen, dass er noch in diesem Jahrhundert mehrere Meter ansteigen könnte. Sollte dies geschehen, würden weltweit viele Städte, Inselstaaten und auch Ackerland im Wasser versinken. Gleichzeitig übersäuern die Ozeane, da sie einer der Hauptspeicher für CO2 (Kohlensäure) sind. Tiere wie Korallen und Muscheln können dadurch ihre Skelette oder Muschelschalen verlieren. Überall auf der Welt erleben wir immer öfter solche Wetterextreme. Hurrikane, Taifune, Stürme und Dürren verschärfen heute schon Konflikte und Sicherheitsprobleme in vielen Regionen. Und im Laufe der nächsten Jahrzehnte könnte aber auch Mitteleuropa von u.a. extremer Trockenheit betroffen sein.

Die Arktis zeigt uns wahrscheinlich am deutlichsten, dass die Auswirkungen des globalen Klimawandels sehr viel schneller voranschreiten, als Wissenschaftler bisher angenommen hatten. Im Sommer 2012 verschwand etwa die Hälfte des gesamten arktischen Meereises (und einige Wissenschaftler schätzen, dass der komplette Volumenverlust des Sommermeereises sogar bei etwa 80% liegt). Die ganze Arktisregion wird von einschneidenden Veränderungen heimgesucht, die die Lebensräume zahlreicher Pflanzen- und Tierarten (ja, auch der Eisbär ist betroffen) und die Lebensgrundlage vieler indigener Stämme bedrohen. Sie bringen die Welt auch näher an gefährliche Schwellenereignisse, wie das Schmelzen des grönländischen Eisschildes und den Ausstoß großer Mengen Methans durch Abschmelzen der Permafrostböden.

Das sind die wissenschaftlichen Hintergründe des Klimawandels. Obwohl viele der Einzelheiten noch untersucht werden, wird eines nicht mehr diskutiert: Unser Klima ändert sich tiefgreifend und schnell und menschliche Handlungen sind die Ursache dafür.

Quellen:

  • Fünfter Sachstandsbericht des IPCC – Link zum jüngsten Bericht des mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Weltklimarates (IPCC), mit der Unterstützung von weltweit führenden Klimatologen.