FacebookYoutube
Picture

Die Kohlenstoffblase

Unter der Kohlenstoffblase (auch “Carbon Bubble”) versteht man die potentielle Spekulationsblase, die sich aus der Unvereinbarkeit des auf dem Kopenhagener Klimagipfel vereinbarten 2°C Klimazieles sowie der Ausbeutung und Nutzung weiter Teile der momentan bekannten Lagerstätten an fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Kohle und Erdgas ergibt.

Da bei einer globalen Erwärmung von ungefähr 2°Celsius das Erreichen von irreversiblen Kipppunkten droht, gilt dieser Wert in weiten Teilen der Wissenschaft und internationalen Staatengemeinschaft als nicht verhandelbar. Durch einen weiterhin ungebremsten globalen Treibhausgasausstoß könnte bis Ende der 2020er Jahre ausreichend fossiles CO2 in die Atmosphäre eingebracht worden sein, um diesen Wert zu überschreiten. Um eine Erwärmung um mehr als 2° Celsius noch zu verhindern müssten weite Teile der momentan bekannten fossilen Reserven ungenutzt bleiben. Dabei droht eine deutliche Wertminderung für zahlreiche Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft. Der Wert dieser Unternehmen wird gegenwärtig unter der Annahme bewertet, dass alle bekannten Brennstoffreserven gefördert und verkauft werden.

Die bereits bekannten fossilen Reserven übersteigen das verbleibende “Kohlenstoffbudget” zur Einhaltung des international vereinbarten 2°C Klima-Zieles um ein Vielfaches. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die Unterzeichnerstaaten des Copenhagen Accord in den nächsten Jahren politische Schritte unternehmen werden, um ein weiterhin unkontrolliertes Verbrennen fossiler Brennstoffe zu verhindern. Sollte es zu solchen Maßnahmen kommen, könnte ein Großteil der bereits bekannten Lagerstätten unangetastet bleiben. Dies würde den Wert von Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften, die von der Ausbeutung dieser Ressourcen profitiert hätten, drastisch reduzieren. Damit handelt es sich bei der Kohlenstoffblase um die vermutlich größte Spekulationsblasen der bisherigen Geschichte. Sieben der 10 größten Unternehmen der Welt sind im Bereich Erdöl und Gas tätig und wären damit von der Kohlenstoffblase direkt betroffen.

Wissenschaftlich besteht kein Zweifel daran, dass ein Verbrennen großer Teile der bisher bekannten Reserven an fossilen Brennstoffen mit einem Begrenzen der globalen Erwärmung auf 2°C nicht vereinbar ist. Eine Erwärmung jenseits der zwei Grad wird aber als nicht mehr kontrollierbar angesehen und wurde deshalb 2009 in Kopenhagen einstimmig als unbedingt zu verhindern anerkannt. Trotzdem verwenden zahlreiche Unternehmen z.B. der Erdölbranche weiterhin jährlich mehrere Milliarden Euro um weitere Lagerstätten zu entdecken. Die Blase wächst also.

In dem Moment, wo sich die Anleger in diesem Markt der Blase bewusst werden, würden vermutlich die meisten Gelder schnellstmöglich abgezogen und die Spekulationsblase würde sehr schnell platzen.

Wie groß ist die Kohlenstoffblase ?

Die Carbon Tracker Initiative, eine von Finanzanalysten gegründete Londoner Nichtregierungsorganisation trägt Zahlen zur “Carbon Bubble” zusammen und hat gemeinsam mit der London School of Economics den Bericht «Unburnable Carbon» veröffentlicht. Er beziffert die Menge an maximal noch zu emitierendem CO2 um das 2°C Klima-Ziel noch zu halten auf weniger als 565Gt (565 Mrd. Tonnen) CO2. Diese Zahlen decken sich in etwa mit dem oben genannten Kohlenstoffbudget des WBGU.

Die gesamten weltweit bekannten Lagerstätten an Erdöl, Kohle und Erdgas im Besitz von Unternehmen und Staaten entsprechen, nach Berechnungen der Carbon Tracker Initiative, in etwa 2.795Gt CO2. Allein die bisher bekannten Lagerstätten enthalten demnach etwa das Fünffache dessen, was die Menschheit insgesamt noch emitieren darf um die Klimaerwärmung auf höchstens 2°C zu begrenzen . Rund 80% dieser Rohstoffe dürften demnach nicht mehr gefördert werden und müssten als “unburnable” (englisch für unverbrennbar) im Boden verbleiben.

Die 100 führenden Kohle, Erdöl und Gasfirmen verfügen, ebenfalls nach Berechnungen der Carbon Tracker Initiative, über eine Menge an fossilen Brennstoffen die 745Gt CO2 Emissionen entspricht. Das allein würde ausreichen um das verbleibende Kohlenstoffbudget der Menschheit zu überschreiten und die globale Erwärmung, durch das Erreichen von Kipppunkten, möglicherweise unumkehrbar zu machen.

Auch große Investoren wie die Citigroup oder die HSBC halten deshalb einen drastischen Absturz des Börsenkurses großer Erdölkonzerne in den nächsten Jahren für denkbar. Eine Studie der HSBC geht von Verlusten bis zu 60% des Unternehmenswertes aus.

Quelle: Felix Müller / Wikipedia